LandschaftPlus - der Blog

Ein Bericht aus "Pestizidtirol"

04. September 2017, Redakteur: Marco Giardino - International, Aktuelles

von Marco Giardino

Ein wütendes Grollen ging kürzlich durch Südtirols Täler gen Norden. Adresse der Empörung: Das Umweltinstitut München (e.V.). Der Grund: Die Umweltaktivisten machen derzeit mit einer provokanten Aktion auf den Gebrauch von Pflanzenschutzmitteln in Südtirols Monokultur-Obstplantagen aufmerksam. Die Kritik: Südtirol müsse sich entscheiden, was es sein wolle: Entweder ein Tourismusland mit intakter Natur & Landschaft oder eines mit Pestizidwirtschaft, beides passe nicht zusammen. So würden in den Südtiroler Obstplantagen im Durchschnitt 42 kg Pflanzenschutzmittel pro Hektar und Jahr ausgebracht, während es im übrigen Staatsgebiet Italiens deutlich weniger seien. Das massenhaft ausgebrachte Gift bleibe aber keineswegs nur in den Obstplantagen, sondern sei überall zu finden: In Flüssen, in benachbarten Bio-Betrieben, im Viehfutter und somit auch in der Milch. Doch ist es die Kritik allein, die in Südtirol sauer aufstößt? Nein. Landeshauptmann (in Deutschland entsprechend: Ministerpräsident eines Bundeslandes) Arno Kompatscher (Südtiroler Volkspartei - SVP) fährt rechtliche Geschütze gegen das Umweltinstitut auf, weil es mitten am Münchener Karlsplatz-Stachus ein Plakat aufhängen lies, auf dem "Südtirol sucht saubere Luft" im Stil der üblichen Tourismuswerbung des Landes zu lesen war. Dies fasst man als klaren Rechtsverstoß auf. Kompatscher bekräftigt aber auch, dass sich die Südtiroler Bauern an alle Regeln hinsichtlich des Pflanzenschutzes hielten. Das Umweltinstitut hält jedoch dagegen: Es gehe auch anders, wie man in der Vinschger Gemeinde Mals sehen kann. Hier hatte der Verein bereits vor einiger Zeit eine Initiative unterstützt, die die Gemeinde pestizidfrei machte. Dieses Beispiel sollte Schule machen, sind sich die Umweltaktivisten aus München einig. Davon würden nicht nur die Gesundheit und Umwelt profitieren, sondern auch Südtirols Tourismus, denn eine bessere Werbung könne es für das Land gar nicht geben. 

Letztendlich hat das Umweltinstitut durch seine provokante Aktion erreicht, dass die Kritik gehört wurde. Ob dies rechtlich einwandfrei war, wird derzeit noch geprüft. Allerdings ist die Reaktion der Südtiroler Politiker durchaus verständlich, geht es schließlich um die zwei größten Wirtschaftssäulen des Landes: Die Landwirtschaft und den Tourismus. Und damit auch um Geld, sehr viel Geld und den Wohlstand der kleinen autonomen Provinz. Negativschlagzeilen hört man da ungern. Es wird sich zeigen, in welche Richtung sich die Südtiroler Landwirtschaft und der Tourismus entwickeln werden. Doch solche Entwicklungen brauchen etwas Zeit und ein besonnenes Vorgehen, um der lokalen Bevölkerung nicht vor den Kopf zu stoßen. Eine nachhaltigeres Wirtschaften wäre in Zukunft begrüßenswert.

Obstwiese in der Nähe von Meran, Südtirol (Fotos: Marco Giardino)
Ein Bericht aus "Pestizidtirol"

Landschaft+Gespräch 3

11. July 2017, Redakteur: Marco Giardino - Personen

mit Marion Linke

Schwamm sein - Neugierig bleiben und Zufälle zulassen

Marco Giardino und Nikolaus Fröhlich im Gespräch mit Marion Linke über ihr erstes Semester

Wir studieren im ersten Semester Landschaftsarchitektur und Landschaftsplanung und stellen bereits jetzt einige Unterschiede in der Sichtweise auf die Landschaft fest. Nun wird in Deinem Büro beides betrieben. Welche Konflikte, Unterschiede und Gemeinsamkeiten gibt es?

Wirkliche Konflikte gibt es nicht, allerdings gibt es unterschiedliche Herangehensweisen, vor allem bei den Maßstäben. So ist die Landschaftsplanung meistens in viel gröberen Maßstäben unterwegs als die Landschaftsarchitektur. Ich bin zwar ausgebildete Freiraumplanerin, arbeite inzwischen aber hauptsächlich in der Landschafts- und Stadtplanung. Ich finde man sollte sich da auch gar nicht so festlegen, sondern wenn es geht und wenn es einem Spaß macht auch mal in die andere Richtung hineinschauen. Deswegen finde ich gehört beides zusammen.

Lies hier das vollständige Interview!

Landschaft+Gespräch 3

Projekt LP 2: Wieder einmal unterwegs

04. July 2017, Redakteur: Marco Giardino - Studienalltag

von Marco Giardino

Um die Landschaft kennen zu lernen, in der man später arbeitet, muss man sie auch in „real life“ schon mal gesehen haben. Da kommt eine Exkursion im Landschaftsplanungsprojekt 2 gerade recht, um wieder einmal an die frische Luft zu kommen sowie eine Abwechslung zum täglichen Kopfzerbrechen über Plangestaltungen und andere Dinge im Untergeschoss des Instituts zu haben. Am 27.06.2017 fand daher die „traditionelle, ja fast schon berühmte Wasserburg-Exkursion“ (Zitat Thomas Heinemann) statt. Ziel der Exkursion war es, den Landschaftsgradienten vom Tertiären Hügelland bei Freising über die Münchner Schotterebene bis zum Alpenvorland kennen zu lernen. Dazu stiegen wir am Morgen am Freisinger Bahnhof in einen Bus und fuhren zu verschiedenen Stationen, an denen wir ausstiegen, um uns dann in der Landschaft zu bewegen. Dabei wurde auf die geographische Entstehungsgeschichte, Landschaftstypologie, Kulturgeschichte und insbesondere auf die Vegetation eingegangen. Immer wieder hielten wir an, um Pflanzen zu sammeln und zu bestimmen. Ein besonderer Höhepunkt war dabei sicher das kleine Hochmoor in der Nähe von Wasserburg, das zunächst völlig unscheinbar am Waldrand lag. Ging man hier nur ein paar Meter die Böschung hinunter, konnte man eine abrupte Änderung der Vegetation feststellen. Auf einem Schwingrasen aus organischem Material und Sphagnum-Moosen wuchsen typische Moorpflanzen wie z.B. Drosera rotundifolia, der rundblättrige Sonnentau, eine karnivore Pflanze. Zum Abschluss bestiegen wir noch einen Aussichtsturm im Ebersberger Forst und befassten uns mit der Geschichte und Vegetation des Forstes. 

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Foto: Marco Giardino
Auch in den Baumaterialien spiegelt sich die Landschaftstypologie wieder (Foto: Marco Giardino)
Im Hochmoor: links unten Drosera rotundifolia (Foto: Marco Giardino, Katharina Dropmann)
Pflanzenbestimmen (oben) und Aussicht über Wasserburg (unten) (Foto: Marco Giardino)
Projekt LP 2: Wieder einmal unterwegs

Blauhilde auf dem Tellerball mit TomaToni

29. June 2017, Redakteur: Marco Giardino - Institutsbeete

von Vera Donata Wesinger

Mit den steigenden Temperaturen erheben sich im Juni nun auch die BlauHilden über den Tomatenpöbel. 

Mehr als ein TomaToni wuchert zu ihren Füßen, dass ChristoFee kaum mit dem Ausgeizen nachkommt. Wo die TomaTonis ihre Blätter strecken, bleibt der Boden feuchter und die BlauHilden haben angenehme Fußbedeckung. 

Kein kristallener Schuh, wie für Cinderella, doch auch sehr kleidsam.

Als junge Hüpfer sind die BlauHilden am feinsten, ohne harte Spelzen oder harte Schale, daher öfter mal kleinere Mengen ernten, als einmal viele harte Böhnchen zu bekommen. 

Wen nehmen die BlauHilden jedoch mit zum zauberhaften Tellerball? Einen der TomaTonis? 

Oder - wer rankt sich denn dort mit voller Brust den Sisal hoch?

Ein GurkErich!

Nein, sogar zwei von den strammen Kerlen!

Die machen gute Begleiter, denken sich die noblen Hilden. Darauf laufen sie doch tatsächlich ganz lilalich an, Hups! Welch zartes GemüseGemüt.

Dann auf dem Tellerball: 

TomaTonis, Champions der MyzelLIGA und Mozzarellas, die blassen Mädels aus Italien. Dazu Lavendelblüten, Rosmarin und, wie könnt es anders sein: Bohnenkraut.

Foto: Vera Donata Wesinger
Foto: Vera Donata Wesinger

Botanische Exkursion an die Rotwand

25. June 2017, Redakteur: Marco Giardino - Studienalltag

von Marco Giardino

Blau, blau, blau blüht der Enzian? Fast, zumindest blühte der Enzian, den wir auf unserer botanischen Exkursion an die Rotwand am Sonntag den 25.06.17 sahen, gelb. Hierbei handelte es sich nämlich um Gentiana lutea, den gelben Enzian. Dieser war aber nur einer von vielen spannenden botanischen Schätzen, die uns Fr. Dawo, unsere Dozentin für Botanik (mit einem überragenden Fachwissen), beim Aufstieg auf den Taubenstein im Rotwand-Gebiet präsentierte.

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Foto: Antonia Riedel
Gelber Enzian (Foto: Antonia Riedel)
Botanische Exkursion an die Rotwand

Exkursion zum Neusiedler See - Jeder Tag ein Abenteuer

02. June 2017, Redakteur: Marco Giardino - Studienalltag

von Rebecca Kranner, Elisa Huber, Judith Schenkyr und Luise Hanstein

Los ging‘s mit einer langen Busfahrt und viel Stau. In Illmitz, Österreich, angekommen war man in der riesigen Stadt (2359 Einwohner) auf sich allein gestellt. Man verlor sogar seine Mitbewohner (zwei Lehramtstudentinnen) auf dem Weg zur Unterkunft. 

Nachdem wir sieben Landschaftsarchitekten uns am ersten Abend einigermaßen akklimatisiert hatten standen wir am nächsten Morgen vor großen Herausforderungen. Zu bewältigen war eine Wanderung von fünf Kilometern in sechs Stunden. Wie sollte man das nur schaffen?

In der Dürre der Steppenlandschaft wurden wir fast vom Winde verweht. Nur mühselig umschritten wir die Lange Lacke. Alle fünf Meter ein neues Highlight, ob Pflanze, Käfer oder Vogel - es war für jeden Geschmack etwas dabei. Wir als Landschaftsarchitekten jedoch suchten vergebens nach dem sich aufspannenden Raum zwischen den fehlenden Bäumen und Sträuchern.

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Foto: Rebecca Kranner
Foto: Luise Hanstein
Foto: Rebecca Kranner
Exkursion zum Neusiedler See - Jeder Tag ein Abenteuer

Ostereiersuche für Fortgeschrittene

19. May 2017, Redakteur: Marco Giardino - Forschung, Aktuelles

von Marie Heuberger

Wer liebte es als kleines Kind nicht im Garten der Eltern nach den Osternestern zu suchen? Tja, wenn man Landschaftsplanung studiert, sucht man auch später noch voller Elan nach Nestern. Aber nicht nach Osternestern, sondern nach Vogelnestern!

Dieses Wochenende haben sich einige Freisinger und Münchner Ornis (=Ornithologen/Vogelkundler) auf den Weg zum Bodensee gemacht, um ein Seminar über Brutbiologie von Vögeln im Max Planck Institut für Ornithologie zu besuchen. 

Bei der Ankunft stellte ich erst einmal fest, wie leicht man doch an der Kleidung erkennt, wofür sich Menschen begeistern. Die meisten von uns kennen den „geheimen Dresscode“ der Architekten: Hauptsache schwarz. Ornis haben auch einen: Regenjacke, Outdoorhose und als Accessoire ein Fernglas um den Hals. Fast alle auf dem Seminar haben sich an den Ornidresscode gehalten. 

So saßen wir nun alle um neun Uhr morgens an einem Samstag in einem Institut mitten im nirgendwo. Es wurde nicht viel geredet, die einen holten sich einen Kaffee, die anderen schlichen neugierig um die auf einem Tisch ausgestellten Vogelnester. Wolfgang Fiedler, Seminarleiter und allwissende Bibel der Vögel, eröffnete das Seminar mit einer Vorstellungsrunde. 

Warum legen Vögel überhaupt Eier? Bisher habe ich das einfach als Tatsache hingenommen, aber tatsächlich gibt es einen sehr praktischen Grund dafür: Die ganze Arbeit bleibt nicht allein am Weibchen hängen. Das Männchen kann sowohl beim Brüten, als auch beim Füttern helfen. Stellt euch mal vor, Menschen könnten sich die Schwangerschaft auch teilen ;)!  

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Foto: Marie Heuberger
Beutelmeisennest (Foto: Marie Heuberger)
Ostereiersuche für Fortgeschrittene