LandschaftPlus - der Blog

Dort

15. February 2017, andreas.printz - Prosa, Studienalltag

von Karoline Altgeld

Egal wann ich vorbeikomme, Dort wird immer gearbeitet. Mittwoch morgens oder Sonntag nachts, der Arbeitsraum ist voll. In kleinen Gruppen stehen Menschen um Tische, diskutieren, planen und verwerfen. Viele schreiben eifrig auf Laptops, Notebooks oder auch die Tische, wenn gerade sonst nichts zur Hand ist. Ab und zu holen sie Experten zur Hilfe, sie hören Vorträge und vergleichen Daten, sie bauen Modelle und zeichnen Pläne.
Es gibt Menschen, deren einzige Aufgabe ist es, ihnen zu helfen. Tag für Tag, Monate lang.
Sie ist beinahe greifbar, die fokussierte mentale Kraft in diesem Raum.
Was kann so wichtig sein, dass all diese Menschen sich den Kopf darüber zerbrechen, ihre Freizeit aufgeben und sich ganz dieser Aufgabe widmen? Was steht auf dem Spiel, dass jedes Wort, jede Linie perfekt sitzen muss? Welches Ziel haben sie morgens vor Augen, was gibt ihnen die Gewissheit, dass all diese Arbeit sich lohnt?
Sie müssen einfach an etwas Wunderbarem arbeiten. Strategien gegen Hunger, Krieg und Tod. Vielleicht ein Plan, der die globale Ungleichheit auflöst, oder Kinderarbeit abschafft. Ein Weltgesundheitsplan, ein Konzept für wahre Demokratie; Gleichheit, Freiheit, Gemeinschaftlichkeit.
Eines Tages traue ich mich hinein, frage zögernd, ehrfürchtig nach dem Ziel ihre Bestrebens.
Und siehe da: Sie spielen mit Sand.


Exkursion zu „Eine(r) Insel für die Zeit“ – Erdzeichen am Münchner Flughafen

26. January 2017, Redakteur: Marco Giardino - Studienalltag

von Marco Giardino

Es liegt unscheinbar in der Landschaft – viele von uns hatten es vorher noch nie bemerkt. Von der Straße aus kaum sichtbar, versteckt sich das Erdzeichen des Künstlers Wilhelm Holderied am Münchner Flughafen teilweise hinter dem hohen Mais. Am Rande einer Schotterstraße trafen wir uns mit dem Künstler, einem sympathischen, alten Mann. Durch den Maisacker hindurchgekämpft, erblickt man sie dann schließlich: Die Insel für die Zeit. Passend zu unserem ersten Projekt in der Landschaftsarchitektur konnten wir uns hier von der Wirkung topographischer Veränderungen inspirieren lassen. Und tatsächlich hatte es etwas immens Beeindruckendes in und auf dem Kunstwerk entlang zu laufen. Geht man in den „Rillen“ des Erdzeichens entlang, so taucht man völlig darin ab. Man ist abgeschirmt von alldem was außen herum passiert – abgesehen vom Flugverkehr. Die Aufmerksamkeit wird auf das, was sich in dem „Tal“ befindet wie z.B. die Vegetation gelenkt. Läuft man hingegen auf den Gipfeln der Böschungen entlang bietet sich ein völlig anderes Bild. Man bekommt ein Gespür für den doch beachtlichen Höhenunterschied zwischen dem Hoch- und dem Tiefpunkt des Erdzeichens. Man überblickt zudem die vollständige Größe des Kunstwerkes. Doch selbstverständlich ist es nicht, dass das Erdzeichen überhaupt hier besteht. Die holprige Finanzierungsgeschichte von jugendlichem Leichtsinn und Idealismus erzählte uns Holderied während unserem Aufenthalt auf seiner Insel. Ein Buch mit interessanten Geschichten rund um das Erdzeichen gab es dann noch für jeden zum Schluss dazu.

Die Erstsemester wandern im und auf dem Erdzeichen (Foto: Svenja Schmitz)
Jonas Bellingrodt, Nicole Meier und Lars Hopstock (LAI) begleiteten die Exkursion (Foto: Svenja Schmitz)
Das Wetter hätte (fast) nicht besser sein können (Foto: Svenja Schmitz)

Sind Sie Steinmetz?! - Nein, ich studiere Landschaftsarchitektur!

26. January 2017, Redakteur: Marco Giardino - Studienalltag

von Marco Giardino

Im Rahmen der Aufgabe „Materialität“ in E&G (Entwerfen und Gestalten) hatten einige von uns das „Glück“ (?) einen Stein bearbeiten zu dürfen. Nun dann schleppten wir den 30 kg – Koloss erst einmal mit den öffentlichen Verkehrsmitteln von Freising nach München. Dort besprachen wir wie immer mit den Assistenten von E&G unser Konzept. Danach passierte erst einmal Wochen lang wenig. Bis wir uns dazu aufraffen konnten, den Stein wiederum mithilfe eines Rucksacks, einem starken Rücken und Bus & Bahn wieder nach Freising zu transportieren. Dort wurde der Stein wiederum zu einem Steinmetz gebracht, der unserem Stein ein paar Schnitte versetzte. Wieder zurück im Institut ging es dann ran an den Speck (oder an den Stein?!). Es wurde bei eisigen Temperaturen um die -10°C im Freien gemeißelt, geflext und geschliffen, bis der Stein eine interessante Form bekam. Interessierte Nachfragen von Passanten, was wir denn da machen, inklusive. Noch weiß vom Staub des Steines brachte ich den nun etwas leichteren Koloss wieder in den weißen Saal nach München. Von Glück kann ich sprechen, keiner Polizeistreife begegnet zu sein, die mich sicher verdächtigt hätten, die ganze Nacht auf einer Koks-Party gewesen zu sein. Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass Prof. Graff das ganze Martyrium mit einem der netten Notensymbole von E&G würdigt. 

Der Stein mit Schnitten von oben (Foto: Steinmetz Widmann)
Der Stein mit Schnitten von der Seite (Foto: Steinmetz Widmann)
Der bearbeitete Stein (Foto: Marco Giardino)

Landschaftsplaner/in – ein Beruf für Frischluftfanatiker?

26. January 2017, Redakteur: Marco Giardino - Studienalltag

von Marco Giardino

Im Rahmen des orientierenden Projektes Landschaftsplanung I werden die Studierenden zur Erhebung von Arten und zur Kartierung des Geländes hautnah ans Geschehen ins Projektgebiet geschickt, denn Flora und Fauna springen für gewöhnlich nicht aus dem Luftbild. Natürlich gibt es auch im Studium, genauso wie im Beruf, Fristen, die es gilt einzuhalten. Da man sich das Wetter nicht aussuchen kann, sollte man sich deshalb ab und an für das Tragen von Gummistiefeln und unmodischer Regenbekleidung nicht zu schade sein. Dafür bieten sich dem Studierenden faszinierende neue Sichtweisen auf eine für den „Ottonormalbürger“ vielleicht ganz gewöhnliche „Landschaft“ – Ist diese Böschung zu steil? Woher kommen Schadstoffeinträge? Wie können wir das verbessern und dabei einen guten Kompromiss zwischen z.B. Artenschutz und Landschaftsnutzung finden? All das sind Fragen, die einen Landschaftsplaner beschäftigen und für die es auch in Zukunft gilt, befriedigende Antworten zu finden!

Das Wetter sucht man sich bei einer Exkursion nicht unbedingt aus (Foto: Nikolaus Fröhlich)
Auch die höchsten Gummistiefel helfen nicht gegen den tiefsten Schlamm (Foto: Nikolaus Fröhlich)