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Ein Praktikum in San Franciscos Bay Area

Avatar of andreas.printz andreas.printz - 19. March 2019 - Aktuelles, International, Studienalltag

von Lukas Voltmer

Nachdem ich im Februar 2018 meinen Bachelor abgeschlossen hatte, ging es für mich im März weiter zu meinem zweiten Auslandspraktikum.

In den Sommersemesterferien vor Beginn meiner Thesis kam mir zum ersten Mal die Idee für das Praktikum, als ich über die Zeit nach meinem Abschluss nachdachte. Rückblickend auf mein erstes Auslandspraktikum im fünften Semester fand ich es immer faszinierend wie verhältnismäßig leicht wir es haben durch ein Praktikum oder Studium für ein halbes Jahr an fast jedem Ort der Welt leben zu können, wobei man neben der Kultur und Lebensweise auch noch die Struktur und Arbeitsweise von Büros im Ausland kennenlernen kann. Wie wertvoll diese Erfahrung ist, egal ob man später mal sein eigenes Büro eröffnen will oder andere Pläne hat, wurde mir nach meinem ersten Praktikum bewusst. Deshalb wollte ich die Chance noch mal nutzen, solange ich noch in der „Praktikaphase“ war, da es danach unter anderem auch aus visa-technischer Sicht schwieriger wird.
Für die restliche Zeit meiner Thesis war ich dann mit der Beschaffung meines Visums beschäftigt, bevor ich Ende Februar schließlich ins warme Kalifornien starten konnte. So war zumindest meine Vorstellung, denn mir wurde erst später bewusst, dass die Temperatur in San Francisco auch im Sommer selten 20 Grad übersteigt. Dafür geht sie aber eben auch selten darunter. --> Mehr lesen

Donnell Garden
PWP Bürofassade
911 Memorial


Das Büro, in dem ich mein Praktikum absolvierte heißt PWP (Peter Walker and Partners) und wurde in den 90er Jahren von Peter Walker gegründet. Es ist ein, für landschaftsarchitektonische Verhältnisse, großes Büro, welches sich auf der San Francisco gegenüberliegenden Seite der Bucht in Berkeley befindet. Bekannt ist es für sein minimalistisches Design, welches oft stark an klaren geometrischen Formen orientiert ist. Zu den bekanntesten Projekten zählen unter anderem das 9/11 Memorial auf dem ehemaligen Ground Zero in New York und das gerade eröffnete Jewel Changi Airport in Singapur. Auch in Europa hat das Büro einige Arbeiten verwirklicht. Unter anderem den Novartis Campus in Basel und den zentralen Platz des Sony Centers in Berlin. Es handelt sich also oft um Flächen in prominenten Lagen, welche einerseits repräsentativ sein sollen, andererseits viele unterschiedliche Funktionen integrieren müssen, um nicht bloß leblose Schauflächen zu werden. Ein Beispiel dafür ist, dass man bei den wenigsten Projekten Sitzbänke vorfinden kann, sondern Sitzgelegenheiten bevorzugt in Designelementen wie Mauern oder Stufen integriert sind. Eine große Stärke des Büros ist auch die extreme Detailliertheit, mit der die Projekte entwickelt werden. So werden in den Konstruktionszeichnungen alle Details von Fugenweiten bis Vogelabwehrspanndrähten exakt festgelegt, um bei der Umsetzung so wenig Interpretationsraum wie möglich zu lassen. Damit wird garantiert, dass das angestrebte Design am Ende auch wirklich so aussieht wie geplant. Das ist ein Thema, dass wir während unseres Studiums kaum kennenlernen, sondern uns im Laufe unseres Berufslebens selbst aneignen müssen. Denn ein gutes Design bringt am Ende nichts, wenn es nicht umgesetzt wird bzw. umgesetzt werden kann.

Spannend war es auch die Fertigstellung von Projekten zu erleben. So eröffnete zum Beispiel nach rund acht Jahren Bauzeit das Transbay Transit Centers in der Downtown von San Francisco. Es handelt sich dabei um den neuen zentralen Busbahnhof der Stadt, welcher in Zukunft durch einen unterirdischen Zugbahnhof ergänzt werden soll, dessen Rohbau bereits existiert. Das längliche Gebäude erstreckt sich über 4 Blocks (ca 440m) und besitzt auf seiner gesamten 2 Hektar großen Dachfläche einen öffentlichen Park. Dieser war ein entscheidender Grund warum der Entwurf den Wettbewerb gewann, denn alle anderen sahen eine klassische, nicht nutzbare, Dachkonstruktion vor. So konnte aber ein neues Zentrum für ein sonst von Hochhäusern dominiertes Viertel entstehen. Das Design des Parks ist darauf ausgerichtet auch von der Straßenebene einladend zu wirken, um auf die, für jeden zugängliche Fläche, aufmerksam zu machen. So wie ich es beobachten konnte, ist das auch sehr gut gelungen. Am Eröffnungstag musste ich knapp eine Stunde anstehen, um auf die Ebene des Parks zu kommen, während der Rest des Gebäudes im Allgemeinen deutlich weniger Aufmerksamkeit erfuhr. Auch Wochen nach der Eröffnung war der Park zu unterschiedlichen Tageszeiten gut besucht.

Während meines Praktikums fand auch das alljährliche „Summer Internship“ Programm statt, bei dem 3 bis 5 Studenten von amerikanischen Unis ausgewählt werden, um ein zweimonatiges Praktikum bei PWP zu absolvieren. Teil davon sind auch Besichtigungen von anderen Büros in der Bay Area, Exkursionen zu fertiggestellten Projekten und in die umliegende Natur, sowie ein einwöchiger Designwettbewerb. Das Programm hat eine lange Tradition und wird in ähnlicher Form auch von vielen anderen Büros in der Bay Area angeboten. Ein Ziel dabei ist es Kontakte zu knüpfen. Denn auch wenn die USA ein großes Land sind, so ist die Landschaftsarchitekturwelt immer noch verhältnismäßig klein.

Neben meiner Zeit im Büro hatte ich auch die Möglichkeit Kalifornien und seine angrenzenden Staaten zu bereisen und so mein Bild vom Westen der USA zu erweitern. Die meiste Zeit verbrachte ich aber natürlich in San Francisco. Trotz der extremen Probleme mit Drogenmissbrauch und Obdachlosigkeit, welche einem die starke Schere zwischen Arm und Reich in diesem Land noch mal deutlich vor Augen führt, ist es eine der schönsten Städte, die ich bisher besuchen durfte. Durch die große kulturelle Vielfalt, die es hier schon seit Gründung der Stadt gibt, finden über das ganze Jahr viele unterschiedliche Events, wie der mexikanische Día de los Muertos oder das kostenlose Hardly Strictly Bluegrass Festival, als Überbleibsel der Hippiekultur, statt. Außerdem ist San Francisco im Vergleich zu anderen amerikanischen Städten weniger für Autos ausgelegt und besser zu Fuß oder mit dem Rad erkundbar (von der Steigung des ein oder anderen Hügels mal abgesehen). Dass mir die Zeit hier gut gefallen hat, kann man auch daran sehen, dass ich mein Praktikum letztendlich um drei Monate verlängert habe.

Erfreulicherweise hörte ich während dieser Zeit mehrfach, dass Studenten von der TU München einen sehr guten Ruf haben und sich auch nicht vor Absolventen amerikanischer Eliteuniversitäten verstecken zu brauchen. Eine Bestätigung hierfür war, dass ich während eines Großteils meines Praktikums mit Dani aus dem aktuell siebten Semester eine Kollegin von der TU hatte. Außerdem wurde ich am Ende von Frieder aus dem jetzigen fünften Semester abgelöst.

Sollte nun jemand von euch Interesse an einem Praktikum in und um San Francisco bekommen haben, muss er/sie natürlich nicht erst bis zum zweiten Auslandspraktikum warten. Neben PWP sind beispielsweise auch SWA, CMG und TLS weitere interessante Landschaftsarchitekturbüros in der Bay Area.“

Baustelle von Transbay Transit Center
Design Charette
Highway 1
North Beach in San Francisco
Pride Week

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