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Projekt LP5: Fiktive Umweltverträglichkeitsprüfung für eine Ortsumfahrung von Ampermoching

Avatar of Redakteur: Marco Giardino Redakteur: Marco Giardino - 17. May 2019 - Studienalltag

von Marco Giardino

Ampermoching - der kleine beschauliche Ortsteil von Hebertshausen im Landkreis Dachau liegt etwa 20 km südwestlich von Freising und 6 km nordöstlich von Dachau. Das Gebiet wird durch die Amper sowie ihre Altarme, Auen und Zuflüsse geprägt. Außerdem liegt ziemlich genau hier der Übergang zwischen der Schotterebene und dem Tertiären Hügelland. Nun soll eine Umfahrungsstraße her. Zugegebenermaßen wahrscheinlich kein Modell der Zukunft, zurzeit aber noch die Arbeitsrealität von Landschaftsplanern. Welche Trassenvariante soll also eventuell gebaut werden? Welche ist am umweltverträglichsten? Bei den ersten Exkursionen ins Gebiet wurde jetzt schon klar - so einfach wird diese Entscheidung wohl nicht! Lies hier den ganzen Beitrag!

Der Parkplatz am Sportverein Ampermoching ist unser Ausgangspunkt. Dort werden noch Gummistiefel und Regenschutz angelegt, man weiß ja nie. Die ersten paar hundert Meter in Richtung Norden führen durch ein Neubaugebiet im Dorf Ampermoching. Umgeben ist man hier von einer, man könnte sagen, recht "durchschnittlichen bayerischen Agrarlandschaft". Der Raps blüht gelb, das Getreide sprießt grün. Doch was hier noch recht unspektakulär scheint, ändert sich bald. Am Ende des Dorfes, das noch in der Schotterebene liegt, befindet sich die Hangkante zum Tertiären Hügelland. Wir haben es nicht gemessen, es werden wohl schätzungsweise um die 30 Meter sein, die es hier nach oben geht. Beachtet man aber, dass es in Blickrichtung Süden nahezu vollkommen flach ist, reicht das schon für eine gute Aussicht. Zu sehen ist ein München- und Alpenpanorama. Und hier durch soll dann eine lärmende Straße verlaufen? Schwer vorstellbar. Auch bei der Biotoptypenkartierung stößt man hier auf Unerwartetes. In der intensiven Agrarlandschaft befinden sich kleine Inseln von Feldgehölzen und Baumgruppen. Die Eichen und Sträucher scheinen hier ziemlich alt zu sein und bilden dichte Gestrüppe. Deren Wert laut der Biotopwertkartierung ist hoch. Hätte man das dann doch mehr von den Gebieten unten an der Amper erwartet und nicht hier gerade hier?

Feldgehölze neben intensivem Acker (Foto: Marco Giardino)
Etwas bewölkter Blick über die Äcker an der Hangkante Richtung München (Foto: Marco Giardino)
Die Exkursiongruppe auf dem Weg nach "oben" (Foto: Marco Giardino)
Die Dorfkulisse mit dem Blick Richtung München (Foto: Marco Giardino)
Die Agrarlandschaft mit Blickrichtung Norden ins Hügelland (Foto: Marco Giardino)
Rechts neben dem Feldweg wurde eine Streuobstwiese frisch angelegt (Foto: Marco Giardino)

Geht man dann auf einem weiter westlich gelegenem Weg am Dorf vorbei wieder hinunter von der Hangkante so stößt man auf den Sietenbach. Der macht erstmal einen eher eutrophen und von der Landwirtschaft bedrängten Eindruck. Aber auch an seinem Verlauf gibt es Reste von Auen und wiederum alte Eichen. Kurz vor dem Dorf wird er dann zu einem kleinen Teich aufgestaut. Hier, wo Leute des Dorfes spazieren soll dann die Straße durch? Mh, das wäre dann schon irgendwie störend. Geht man von hier weiter in Richtung Amper, so stößt man auf ein von Sträuchern umgebenes Grünland oberhalb der Straße nach Hebertshausen. Es fällt inmitten der intensiv genutzten Äcker besonders auf. Hier wachsen Magerkeitszeiger und somit ist auch dieses laut der Biotoptypenkartierung hochwertig.

Eine uralte Eichenreihe am Sietenbach (Foto: Marco Giardino)
Studierende beim "Kartieren" (Foto: Marco Giardino)
Eine Glockenblume (Foto: Marco Giardino)
Die Kuckuckslichtnelke (Foto: Marco Giardino)
Studierende bei der Biotoptypenkartierung (Foto: Marco Giardino)
Ältere Höfe und Dorfstrukturen in Ampermoching (Foto: Marco Giardino)

Nun ging es endlich an die Amper. Wir kämpften uns abseits der Wege entlang der Amper wieder gen Osten über Totholzbäume und durch stachelige Sträucher. Der Bieber scheint hier wohl sehr aktiv zu sein, immer wieder gibt es unverkennbare Spuren seiner Aktivitäten. In diesem Abschnitt gibt es neben der Amper noch einige Altwässer. Eine Flussdynamik besteht hier freilich durch Begradigungen und Regulierungen nicht mehr wirklich. Die Restauen werden also kaum mehr geflutet. Dennoch bietet das Feuchtgebiet immer noch wichtige Rückzugsorte für viele Tier- und Pflanzenarten. Und auch die zahlreichen extensiven Grünlandstrukturen, Schilfgürtel und Seggenriede an den Altwässern sind in der Biotoptypenkartierung als hochwertig einzustufen. Und man bedenke: Auch hier gibt es eine Straßenplanung.

Grünland in der Amperaue (Foto: Marco Giardino)
Herr Zehlius-Eckert und die Studierenden bei der Einführung in die Biotoptypenkartierung (Foto: Marco Giardino)
Ein Altwasser der Amper, heute als Fischteich genutzt (Foto: Marco Giardino)
Extensives Grünland in der Amperaue (Foto: Marco Giardino)
Extensives Grünland und Weichholzaue an der Amper (Foto: Marco Giardino)
Eine Populus nigra 'italica' setzt landschaftliche Akzente (Foto: Marco Giardino)

Nach den Exkursionen wurde also klar: Was anfangs auf der Karte klar schien, ist nun völlig unklar. Spontan hätte man vielleicht gemeint, die Westumfahrung wäre die beste Möglichkeit, da sie ja die Amper nicht schneidet. Würde sie aber hier vielleicht das Landschaftsbild an der Hangkante stören? Feldgehölzstrukturen durchtrennen? Andererseits ist eine Umfahrung auch im östlichen Umfeld mitten durch die Amperauen schwer vorstellbar. Und auch mal vom Siedlungsbereich aus gesehen. Welche Auswirkung hat so eine Umfahrungsstraße, die recht dicht an der Bebauung vorbei führt? Wird es Lärmbelästigungen geben? Nun sollen im Rahmen des Projektes intensive Analysen der Auswirkungen auf die verschiedenen Schutzgüter (Wasser, Tiere und Pflanzen, Mensch, Landschaftsbild, ...) durchgeführt werden, um am Ende die Qual der Wahl etwas verträglicher zu gestalten.

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